Technische und organisatorische Maßnahmen (Anlage 2 zum AVV)
Stand: 2026-07-28. Maßnahmen nach Art. 32 DSGVO, auf die sich § 3 Abs. 3 des AVV bezieht.
1. Pseudonymisierung und Datenminimierung
- Das Prüfprotokoll (
agent_audit_log) speichert keine Nachrichteninhalte. Es verweist auf die Nachricht und hält Entscheidung, Begründung und ausgeführte Schritte — Inhalte bleiben inmessagesund unterliegen der kürzeren Frist aus Anlage 3. - Einzige Ausnahme: der Antwort-Entwurf während des Testbetriebs, der nirgends sonst existiert. Er unterliegt derselben 90-Tage-Frist wie die Nachricht, die er beantwortet, und wird mit deren Inhalt entfernt; der Eintrag selbst — Anliegenart, Entscheidung, Konfigurationsstand, zurückgehaltene Aktion — bleibt für die drei Jahre erhalten.
- Bestelldaten aus dem Shopsystem werden als Arbeitscache gehalten (7 Tage, Anlage 3); das Shopsystem des Verantwortlichen bleibt System of Record.
- Es werden keine vollständigen Zahlungsdaten verarbeitet, und es werden keine
Rückerstattungen ausgelöst. Die App fordert im Shopsystem ausschließlich die
Berechtigungen an, die die vier unterstützten Aktionen benötigen
(
manifest.xml,<permissions>— nachprüfbar vor der Installation).
2. Vertraulichkeit
Zugangskontrolle. Das Merchant-Dashboard hat kein eigenes Login. Es läuft als Shopware-Admin-Modul: die Authentifizierung erfolgt über die von Shopware mit dem shop-individuellen Secret signierte Aufruf-URL, das wir bei der Installation erzeugen. Es gibt daher kein SupportKontor-Passwort, das kompromittiert werden könnte. Signierte Aufruf-URLs sind auf ±5 Minuten befristet, damit eine mitgeschnittene URL kein dauerhaftes Zugangsmittel ist; Folgeaufrufe tragen ein 30 Minuten gültiges Token, das ebenfalls mit dem shop-individuellen Secret signiert ist.
Mandantentrennung. Jeder Datenbankzugriff auf Protokoll und Konfiguration
ist auf die merchant_id eingeschränkt, die aus der verifizierten Shop-Kennung
abgeleitet wird — niemals aus einer Angabe der Anfrage.
Verschlüsselung im Transport. Ausschließlich TLS: Shopware-Admin-API, Datenbankverbindung (über Cloudflare Hyperdrive), Modell-API, E-Mail-Versand.
Verschlüsselung im Ruhezustand. Datenbank-Volumes des Anbieters (Railway, EU Amsterdam) sind verschlüsselt.
Geheimnisverwaltung. Zugangsdaten liegen als Worker-Secrets bzw. in
.dev.vars (nicht versioniert), nie im Repository. Pro Shop wird bei der
Installation ein eigenes 32-Byte-Secret aus dem CSPRNG erzeugt; bei
Neuinstallation werden die alten Zugangsdaten sofort ungültig. Signaturprüfungen
laufen zeitkonstant über WebCrypto, nicht über String-Vergleich.
Personal. Ein-Personen-Betrieb (Oldfire OÜ). Der Zugriff auf Produktionsdaten liegt bei dieser Person; die Vertraulichkeitsverpflichtung nach § 3 Abs. 2 AVV gilt für sie unmittelbar. Bei Aufnahme weiterer Personen ist diese Anlage vor dem Zugriff zu aktualisieren.
3. Integrität
- Das Prüfprotokoll ist append-only, erzwungen durch einen
Datenbank-Trigger, der jedes
UPDATEabweist — nicht durch Rechtevergabe, die der Eigentümer der Tabelle umgehen könnte. Einträge können nachträglich weder geändert noch rückdatiert werden, auch nicht durch den Auftragsverarbeiter. - Jeder Eintrag enthält eine Momentaufnahme der zum Entscheidungszeitpunkt geltenden Konfiguration, sodass eine spätere Änderung der Einstellungen die Bewertung vergangener Vorgänge nicht verändert.
- Eingehende Aufrufe des Shopsystems (Webhooks, Lifecycle) werden per HMAC-SHA256 gegen das shop-individuelle Secret verifiziert.
- Die Berechtigungsprüfung („darf der Agent diese Aktion ausführen“) ist als reine Funktion ohne Netz- und Uhrzugriff implementiert und vollständigkeitsgeprüft getestet; sie ist zusätzlich im Shopware-Adapter gespiegelt, damit sie auch für Aufrufe greift, die den Agenten umgehen.
- Jeder Fehlerpfad eskaliert an einen Menschen. Es gibt keinen Pfad, auf dem eine Störung zu einer erfundenen Antwort an einen Endkunden führt.
4. Verfügbarkeit und Belastbarkeit
- Serverlose Ausführung (Cloudflare Workers), keine selbst betriebenen Server.
- Die Zustellung ist über die Datenbank garantiert, nicht über eine Queue: ein verlorener Queue-Hinweis kostet ein Sweep-Intervall, keine Nachricht.
- Nachrichtenverarbeitung mit Lease und begrenzten Wiederholungen; abgebrochene Läufe werden wieder aufgenommen statt verloren.
- Tagesbudget pro Verantwortlichem für Modellkosten, um Fehlläufe zu begrenzen.
5. Verfahren zur Überprüfung und Bewertung
- Automatisierte Tests, die die Sicherheitseigenschaften dieser Anlage festschreiben: Mandantentrennung, Signaturprüfung, Ablauf von Sitzungen, Unveränderbarkeit des Protokolls, Ausgabe-Escaping. Sie laufen bei jeder Änderung.
- Löschfristen und Unterauftragsverarbeiter sind in Anlage 3 bzw. Anlage 1 dokumentiert und werden bei Änderungen versioniert.
- Nachweise nach § 5 AVV erfolgen vorrangig über die Dokumentation und die Zertifikate/Auditberichte der Unterauftragsverarbeiter.
6. Auftragskontrolle
Konfiguration durch den Verantwortlichen gilt als dokumentierte Weisung (§ 3 Abs. 1 AVV). Umgesetzt als Schalter je Aktion — Standard: jede bestandsverändernde Automatisierung aus. Ein neuer Verantwortlicher startet außerdem in einem Testbetrieb, in dem der Dienst Antworten nur entwirft und weder sendet noch etwas im Shopsystem ändert. Jede Änderung dieser Schalter wirkt sofort und ist im Protokoll je Vorgang nachvollziehbar.
Bekannte Lücken
Ausdrücklich benannt, weil eine unvollständige Aufzählung als Zusicherung gelesen würde:
- Keine automatisierten Datenbank-Backups. Beim Anbieter kostenpflichtig und derzeit nicht aktiviert; es existieren nur manuelle Dumps ohne feste Rotation. Wiederherstellbarkeit ist damit nicht zugesichert. Siehe auch Anlage 3, „Bekannte Grenzen“ Nr. 1.
- Löschfristen teilweise automatisiert. Nachrichteninhalte, Anhänge,
Antwort-Entwürfe und Bestelldaten-Schnappschüsse werden seit 2026-07-27
durch einen Job durchgesetzt und je Lauf protokolliert. Für die
Absenderidentität (
customers) legt Anlage 3 bewusst keine Frist fest, und für Aufbewahrungsanordnungen („legal hold“) existiert kein Mechanismus — beides ist offen, nicht umgesetzt. - KI-Inferenz in den USA, nicht in der EU — zulässig unter SCCs, aber keine EU-Verarbeitung. Anthropic bewahrt Prompt und Antwort 30 Tage in Abuse-Monitoring-Logs auf (Anlage 1, Zeile 1).
- E-Mail-Transport ist Drittlandtransit. Eingang und Versand über Postmark (USA) unter SCCs. Postmark hält Nachrichteninhalte 45 Tage vor (Anbieterstandard); eine kürzere Frist ist nicht gebucht, siehe Anlage 3, „Bekannte Grenzen“ Nr. 5.
- Keine Verschlüsselung auf Feldebene und keine getrennten Schlüssel je
Verantwortlichem; Trennung erfolgt logisch über
merchant_id. - Kein Zertifikat (ISO 27001, SOC 2, C5) für den Auftragsverarbeiter selbst. Zertifikate liegen nur bei den Unterauftragsverarbeitern.